Soziorama

Soziometrie für den Unterricht

Wer steht wem nahe?

Soziorama macht die Beziehungen in einer Schulklasse sichtbar. Jedes Kind legt die Namen der anderen so um sich herum, wie nah es sich ihnen fühlt. Daraus entstehen Kennwerte, eine Matrix und ein Soziogramm.

Tool öffnen So funktioniert es
  • läuft im Browser
  • ohne Anmeldung
  • Daten bleiben auf dem Gerät
  • Tablet, Maus oder Tastatur
FERN MITTEL ENG Mia Ben Lina Sofia Paul Noah Finn

Ablauf

In drei Schritten zur Auswertung

Eine Erhebung braucht ein Gerät, das die Kinder nacheinander nutzen, zum Beispiel ein Tablet an einem ruhigen Platz.

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    Einrichten

    Sie geben die Namen der Klasse ein, einen pro Zeile, und passen bei Bedarf die Anweisung an. Die Reihenfolge der Kinder kann zufällig gewählt werden.

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    Erheben

    Ein Übergabebildschirm zeigt, welches Kind dran ist. Das Kind steht in der Mitte des Brettes und zieht die Namen der anderen in die Ringe. Fehlende Kinder werden übersprungen und können später nachgeholt werden, wenn Sie die Daten speichern.

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    Auswerten

    Sobald alle Kinder fertig sind, erscheinen Kennwerte, Matrix, Soziogramm und eine Liste einseitiger Beziehungen. Alles lässt sich exportieren.

Erklärvideo in 90 Sekunden

Das Video zeigt den Ablauf des Tools mit Beispieldaten. Die Durchführung ist nahezu selbsterklärend. Als Hilfe für die Interpretation wird ein KI-Prompt erstellt, den Sie in Ihre eigene KI eingeben können.

Auswertung

Was Sie am Ende sehen

Jede Platzierung wird als Distanz zur Mitte gespeichert: 0 heißt direkt daneben, 100 heißt am äußeren Rand. Die drei Ringe teilen diese Skala in die Zonen eng (0–33), mittel (34–67) und fern (68–100). Weil die Werte auf das Brett bezogen sind, hängen sie nicht von Bildschirmgröße oder Gerät ab.

Kennwerte pro Kind

Mittlere erhaltene Distanz und Streuung, mittlerer Rang, Anzahl der Nennungen in jeder Zone, gegenseitige Eng-Beziehungen und die selbst vergebene Nähe. Kinder ohne Eng-Nennung werden markiert.

Soziomatrix

Jede einzelne Platzierung als Tabelle: Zeile = wer legt, Spalte = wer gelegt wird. Wahlweise als Distanz, Zone oder Rang, farblich nach Nähe abgestuft.

Soziogramm

Alle Kinder im Kreis, verbunden durch ihre Eng-Beziehungen. Dicke Linien zeigen Gegenseitigkeit, Pfeile einseitige Wahlen. Ein Tipp auf einen Namen hebt dessen Verbindungen hervor.

Einseitige Beziehungen

Paare, bei denen ein Kind das andere eng legt, aber selbst fern zurückbekommt. Solche Asymmetrien sind oft ein guter Ausgangspunkt für Beobachtung.

KI-Interpretationshilfe

Das Tool erzeugt eine pseudonymisierte Anfrage (K01, K02 …), die Sie in einen KI-Chat Ihrer Wahl einfügen können. Die Zuordnung der Kürzel zu den Namen bleibt auf Ihrem Gerät.

Export

Langformat (eine Zeile pro Bewertung), Distanzmatrix oder Kennwerte als CSV mit Semikolon und Dezimalkomma, direkt für Excel, SPSS oder R. Dazu eine Sicherungsdatei der ganzen Erhebung.

Wissenschaftlicher Hintergrund

Soziometrie mit räumlicher Nähe

Soziorama verbindet zwei etablierte Forschungstraditionen: die Soziometrie, die Beziehungen in Gruppen über Wahlen erfasst, und visuelle Verfahren, die emotionale Nähe als räumlichen Abstand abbilden.

Soziometrie

Jacob L. Moreno begründete die Soziometrie in den 1930er-Jahren. Gruppenmitglieder geben an, wen sie für eine Tätigkeit wählen oder ablehnen würden. Die Antworten werden in einer Soziomatrix gesammelt und im Soziogramm als Netz aus Personen und Verbindungen dargestellt (Moreno, 1934).

Coie, Dodge und Coppotelli (1982) zeigten, dass sozialer Status zwei Dimensionen hat: wie sehr ein Kind gemocht wird und wie sehr es abgelehnt wird. Daraus leiten sie die bekannten Statusgruppen ab, etwa beliebte, abgelehnte, unbeachtete und kontroverse Kinder.

Für die Schule ist neben dem Status vor allem die Gegenseitigkeit aufschlussreich. Kulawiak (2015) beschreibt reziproke Freundschaften und Cliquen als den Kern einer Klassengemeinschaft. Das Tool weist deshalb gegenseitige Eng-Beziehungen eigens aus.

Relevanz für die Inklusion

Studien aus dem Gemeinsamen Unterricht zeigen wiederholt, dass Kinder mit sonderpädagogischem Förderbedarf weniger Akzeptanz und mehr Ablehnung erfahren als ihre Mitschülerinnen und Mitschüler. Das gilt bereits für Erstklässlerinnen und Erstklässler (Krull, Wilbert & Hennemann, 2014).

Kulawiak und Wilbert (2015) fanden außerdem, dass diese Kinder seltener in gegenseitigen Akzeptanzbeziehungen und Cliquen eingebunden sind, während sie selbst ähnlich viele Wahlen vergeben wie andere. Die Befunde unterscheiden sich allerdings deutlich zwischen Klassen. Ein Blick auf die eigene Klasse ist deshalb aussagekräftiger als ein allgemeiner Durchschnitt.

Nähe als Abstand: verwandte Verfahren

Hierarchical Mapping Personen tragen wichtige Menschen in drei konzentrische Kreise um sich ein, je nach Nähe (Antonucci, 1986), aufbauend auf dem Konvoi-Modell sozialer Beziehungen (Kahn & Antonucci, 1980). Das Brett von Soziorama folgt demselben Prinzip.
Inclusion of Other in the Self Die Nähe zu einer Person wird über zwei Kreise erfasst, die sich unterschiedlich stark überlappen (Aron, Aron & Smollan, 1992). Die Skala zeigt, dass ein einziges Bild von Nähe Beziehungsqualität abbilden kann.
Familiensystemtest (FAST) Figuren werden auf einem Brett aufgestellt. Der Abstand zwischen ihnen steht für den emotionalen Zusammenhalt (Gehring, 2024). Das Verfahren ist ab sechs Jahren einsetzbar.

Was Soziorama anders macht

  • Jedes Kind schätzt alle anderen ein. Klassische Nominierungen erfassen nur wenige Wahlen pro Kind. Soziorama liefert für jedes Paar einen Wert und ähnelt damit eher einem Peer-Rating.
  • Feine Abstufung statt Ja oder Nein. Die Distanz von 0 bis 100 erlaubt Ränge und Mittelwerte, die Zonen machen sie leicht lesbar.
  • Keine ausdrückliche Ablehnungsfrage. Kinder werden nicht gefragt, wen sie nicht mögen. Ferne entsteht indirekt aus der Platzierung.
  • Handelnd statt schriftlich. Das Ziehen von Namen setzt kaum Lese- und Schreibfähigkeiten voraus.

Grenzen

  • Kein normiertes Testverfahren. Soziorama befindet sich in der Erprobung. Es liegen noch keine Gütekriterien vor. Die Ergebnisse beschreiben die eigene Klasse, sie lassen sich nicht mit anderen Klassen vergleichen.
  • Momentaufnahme. Beziehungen in Klassen verändern sich. Eine Erhebung zeigt einen Tag, keinen dauerhaften Zustand.
  • Subjektives Erleben bleibt offen. Soziometrische Daten sagen wenig darüber, wie wohl sich ein Kind tatsächlich fühlt (Kulawiak & Wilbert, 2015).
  • Keine Diagnose. Auffällige Werte sind Anlass für Beobachtung und Gespräch, nicht für Zuschreibungen.

Durchführung

Verantwortungsvoll erheben

Eine Befragung von Grundschulkindern ergab, dass die meisten soziometrische Erhebungen nicht als belastend erlebten und sich danach nicht anders behandelt fühlten (Mayeux, Underwood & Risser, 2007). Eine sorgfältige Durchführung bleibt trotzdem die Voraussetzung.

Die Namen verlassen Ihr Gerät nicht.

Soziorama speichert alles im Browser. Es gibt keinen Server, kein Konto und keine Übertragung. Für die KI-Interpretation werden Namen vorher durch Kürzel ersetzt.

Tool öffnen

Literatur