Kennwerte pro Kind
Mittlere erhaltene Distanz und Streuung, mittlerer Rang, Anzahl der Nennungen in jeder Zone, gegenseitige Eng-Beziehungen und die selbst vergebene Nähe. Kinder ohne Eng-Nennung werden markiert.
Soziometrie für den Unterricht
Soziorama macht die Beziehungen in einer Schulklasse sichtbar. Jedes Kind legt die Namen der anderen so um sich herum, wie nah es sich ihnen fühlt. Daraus entstehen Kennwerte, eine Matrix und ein Soziogramm.
Ablauf
Eine Erhebung braucht ein Gerät, das die Kinder nacheinander nutzen, zum Beispiel ein Tablet an einem ruhigen Platz.
Sie geben die Namen der Klasse ein, einen pro Zeile, und passen bei Bedarf die Anweisung an. Die Reihenfolge der Kinder kann zufällig gewählt werden.
Ein Übergabebildschirm zeigt, welches Kind dran ist. Das Kind steht in der Mitte des Brettes und zieht die Namen der anderen in die Ringe. Fehlende Kinder werden übersprungen und können später nachgeholt werden, wenn Sie die Daten speichern.
Sobald alle Kinder fertig sind, erscheinen Kennwerte, Matrix, Soziogramm und eine Liste einseitiger Beziehungen. Alles lässt sich exportieren.
Das Video zeigt den Ablauf des Tools mit Beispieldaten. Die Durchführung ist nahezu selbsterklärend. Als Hilfe für die Interpretation wird ein KI-Prompt erstellt, den Sie in Ihre eigene KI eingeben können.
Auswertung
Jede Platzierung wird als Distanz zur Mitte gespeichert: 0 heißt direkt daneben, 100 heißt am äußeren Rand. Die drei Ringe teilen diese Skala in die Zonen eng (0–33), mittel (34–67) und fern (68–100). Weil die Werte auf das Brett bezogen sind, hängen sie nicht von Bildschirmgröße oder Gerät ab.
Mittlere erhaltene Distanz und Streuung, mittlerer Rang, Anzahl der Nennungen in jeder Zone, gegenseitige Eng-Beziehungen und die selbst vergebene Nähe. Kinder ohne Eng-Nennung werden markiert.
Jede einzelne Platzierung als Tabelle: Zeile = wer legt, Spalte = wer gelegt wird. Wahlweise als Distanz, Zone oder Rang, farblich nach Nähe abgestuft.
Alle Kinder im Kreis, verbunden durch ihre Eng-Beziehungen. Dicke Linien zeigen Gegenseitigkeit, Pfeile einseitige Wahlen. Ein Tipp auf einen Namen hebt dessen Verbindungen hervor.
Paare, bei denen ein Kind das andere eng legt, aber selbst fern zurückbekommt. Solche Asymmetrien sind oft ein guter Ausgangspunkt für Beobachtung.
Das Tool erzeugt eine pseudonymisierte Anfrage (K01, K02 …), die Sie in einen KI-Chat Ihrer Wahl einfügen können. Die Zuordnung der Kürzel zu den Namen bleibt auf Ihrem Gerät.
Langformat (eine Zeile pro Bewertung), Distanzmatrix oder Kennwerte als CSV mit Semikolon und Dezimalkomma, direkt für Excel, SPSS oder R. Dazu eine Sicherungsdatei der ganzen Erhebung.
Wissenschaftlicher Hintergrund
Soziorama verbindet zwei etablierte Forschungstraditionen: die Soziometrie, die Beziehungen in Gruppen über Wahlen erfasst, und visuelle Verfahren, die emotionale Nähe als räumlichen Abstand abbilden.
Jacob L. Moreno begründete die Soziometrie in den 1930er-Jahren. Gruppenmitglieder geben an, wen sie für eine Tätigkeit wählen oder ablehnen würden. Die Antworten werden in einer Soziomatrix gesammelt und im Soziogramm als Netz aus Personen und Verbindungen dargestellt (Moreno, 1934).
Coie, Dodge und Coppotelli (1982) zeigten, dass sozialer Status zwei Dimensionen hat: wie sehr ein Kind gemocht wird und wie sehr es abgelehnt wird. Daraus leiten sie die bekannten Statusgruppen ab, etwa beliebte, abgelehnte, unbeachtete und kontroverse Kinder.
Für die Schule ist neben dem Status vor allem die Gegenseitigkeit aufschlussreich. Kulawiak (2015) beschreibt reziproke Freundschaften und Cliquen als den Kern einer Klassengemeinschaft. Das Tool weist deshalb gegenseitige Eng-Beziehungen eigens aus.
Studien aus dem Gemeinsamen Unterricht zeigen wiederholt, dass Kinder mit sonderpädagogischem Förderbedarf weniger Akzeptanz und mehr Ablehnung erfahren als ihre Mitschülerinnen und Mitschüler. Das gilt bereits für Erstklässlerinnen und Erstklässler (Krull, Wilbert & Hennemann, 2014).
Kulawiak und Wilbert (2015) fanden außerdem, dass diese Kinder seltener in gegenseitigen Akzeptanzbeziehungen und Cliquen eingebunden sind, während sie selbst ähnlich viele Wahlen vergeben wie andere. Die Befunde unterscheiden sich allerdings deutlich zwischen Klassen. Ein Blick auf die eigene Klasse ist deshalb aussagekräftiger als ein allgemeiner Durchschnitt.
Durchführung
Eine Befragung von Grundschulkindern ergab, dass die meisten soziometrische Erhebungen nicht als belastend erlebten und sich danach nicht anders behandelt fühlten (Mayeux, Underwood & Risser, 2007). Eine sorgfältige Durchführung bleibt trotzdem die Voraussetzung.
Soziorama speichert alles im Browser. Es gibt keinen Server, kein Konto und keine Übertragung. Für die KI-Interpretation werden Namen vorher durch Kürzel ersetzt.